Vegan-Mythen

Du spielst schon länger mit dem Gedanken auf eine rein pflanzliche Ernährung umzusteigen oder zumindest Großteils auf tierische Produkte zu verzichten, bist jedoch nicht sicher, ob der Lebensstil tatsächlich der richtige für dich und deine Gesundheit ist?
Das ist gut nachvollziehbar. Denn durch den ganzen Informationsüberfluss zum Thema vegane Ernährung weiß man langsam nicht mehr was man noch glauben kann und was nun richtig und was falsch ist. Obwohl man immer wieder von den positiven Begleiterscheinungen eines veganen Lebensstils bzw. einer pflanzlich basierten Ernährungsweise hört, gibt es genauso viele KritikerInnen der veganen Ernährung, die mit scheinbar schlagkräftigen Aussagen gegen diese Ernährungsform argumentieren.

Es stimmt natürlich, dass auch die vegane Ernährung nicht zwingend gesund und die optimalste für jedermann ist, jedoch hat sie, vor allem im Vergleich mit dem durchschnittlichen Ernährungsstil der Österreicher und Österreicherinnen, einige Vorteile bezüglich den Punkten Gesundheit, Umwelt und Ethik. Wichtig ist schlicht, dass man sich umfangreich und ausgiebig mit dem Thema Veganismus auseinandersetzt, bevor man sich für diesen Lebensstilwandel entscheidet.

Auf der Körpergut-Seite kläre ich dich in den nächsten Wochen bezüglich der vorherrschenden Vegan-Mythen auf, um dir zum Beispiel die Angst vor negativen gesundheitlichen Auswirkungen und die Ungewissheit bezüglich so mancher Punkte zu nehmen.

1. Mit einer veganen Ernährung kann man seinen Nährstoffbedarf nicht decken.

Der erste Mythos ist wohl der am meisten verbreitete und zählt zu den Top- Gegenargumenten das man von Verwandten und Bekannten hört, wenn man diesen offenbart sich für eine vegane Ernährungsweise entschieden zu haben.

Ja es stimmt, es ist nicht ganz so einfach all seine Nährstoffe mit einer pflanzenbasierten Ernährung zu decken, wie es bei einer ausgewogenen Mischkost der Fall ist, jedoch ist es durchaus möglich alle essentiellen Nährstoffe durch pflanzliche Lebensmittel aufzunehmen.

Vor allem mit einem Eiweißmangel wird von SkeptikerInnen häufig argumentiert. Jedoch stecken in Produkten, wie zum Beispiel Hülsenfrüchten und Nüssen eine ganze Menge an hochwertigen Proteinen. So beinhalten 100g getrocknete Belugalinsen beispielsweise 23g und 100g weiße Bohnen 21g Protein. Erdnüsse enthalten sogar ganze 30g Eiweiß pro 100g. Auch Tofu, vor allem dessen fermentierte Form Temphe, kann mit 16g/100g als wertvolle Eiweißquelle in einer veganen Ernährung dienen.

Auch Getreidearten wie Hafer 81(14g EW/100g) und Quinoa (12g EW/100g) helfen VeganerInnen dabei ihren Proteinbedarf zu decken.

Auch bei den Nährstoffen Eisen und Calcium, den Omega 3 Fettsäuren und Vitamin B12 wird oft behauptet, dass sie in pflanzlichen Produkten nicht vorkommen. Jedoch lässt sich der Bedarf all dieser Nährstoffe, mit Ausnahme von Vitamin B12, durch die Zufuhr pflanzlicher Lebensmittel decken. Eisen ist vor allem in Vollkornprodukten, Kürbiskernen, Quinoa und Amaranth enthalten. Um den Kalziumbedarf zu decken, ist es nicht notwendig Unmengen an Milchprodukten zu konsumieren, denn auch in pflanzlichen Produkten wie Sesampaste, Erdnussmus oder Grünkohl befindet sich Kalzium. Bezüglich der Omega-3-Fettsäuren wird oft behauptet, sie kämen nur in Fisch und Meeresfrüchten vor.  Jedoch stellt der Fisch hier nur eine Zwischenstation in der Nahrungskette dar. Ursprünglich beinhalten die Algen, von welchen sich die Fische ernähren, eine große Menge an Omega-3 Fettsäuren, weshalb es nahe liegt, den Omega-3-Fettsäuren-Bedarf als VeganerIn durch den Konsum von Meeresalgen oder Algenöl zu decken.

Vitamin B12 ist der einzige Nährstoff von welchem man bei einer rein pflanzlichen Ernährung nicht genug zu sich nimmt. Das liegt daran, dass Tiere Vitamin B12 über den Konsum von Pflanzen und den damit aufgenommen Dreck konsumieren. Menschen nehmen das Vitamin somit wieder über die Zwischenstation Tier auf. Da das Gemüse, welches wir im Supermarktkaufen bereits so behandelt wurde, dass sich darauf bzw. darin kein Vitamin B12 mehr befindet, sollten Veganer und Veganerinnen auf Supplemente zurückgreifen. Aber auch Tiere erhalten mittlerweile B12-Supplemenete, da das Viehfutter nur mehr sehr wenig bis kein natürliches Vitamin B12 mehr aufweist.

2. Sportliche Höchstleistungen sind mit einer veganen Ernährung nicht möglich.

Es gibt genug vegane LeistungssportlerInnen, die diesen Mythos widerlegen könne. Etwa der Profitennisspieler Novak Djokovic oder Formel-1-Weltsstar Lewis Hammelton geben an von der pflanzlichen Ernährungsweise zu profitieren.

Wer jedoch sportliche Höchstleistungen mit einer veganen Ernährung kombinieren möchte, der sollte sich umfangreich mit der Ernährung auseinandersetzen und besonders darauf achten seinem Körper genügend Kalorien zuzuführen. Es empfiehlt sich vor allem seine Speisen selbst zu kochen und diese sehr abwechslungsreich zu gestalten. Auch ein regelmäßiger Check vom Arzt bzw. der Ärztin, welcher die Blutwerte genauer unter die Lupe nehmen kann, ist bei sportlicher Betätigung in Verbindung mit einer pflanzenbasierten Ernährung zu empfehlen.

3. Als Veganer kann man fast nichts mehr essen.

Das ist wohl auch eine sehr häufig gestellte Frage, wenn man bekannt gibt, auf tierische Produkte zu verzichten: „Aber was isst du denn dann noch??“. Mittlerweile muss ich bei dieser Frage immer ein wenig schmunzeln, weil ich dann an all die lecker, abwechslungsreichen und gesunden Gerichte denke, die ich Tag für Tag zu mir nehme. Als Neuling der veganen Ernährung mag es schon sein, dass man etwas überfordert ist und es einem so vorkommt als würde man nichts mehr essen können. Jedoch ist eine der Umstellungsprozess auf eine vegane Ernährung reine Gewöhnungssache. Man muss seinen jahrelang gepflegten Ernährungsstil verändern und das braucht nun einmal Zeit. Hier gilt vor allem sich intensiv mit der Zubereitung gesunder, veganer Gerichte auseinanderzusetzen und darauf zu achten, alle Nährstoffe möglichst gut abzudecken und nicht auf vegane, nährstoffarme Ersatznahrungsmittel wie vegane Wurst zurückzugreifen. Auf der Körpergut-Seite findest du außerdem einige köstliche Rezepte, die dir dabei helfen können, vegane Gerichte in den Alltag zu integrieren. 😊

4. Vegan zu leben ist unglaublich kompliziert.

Auch dieser Mythos mag wohl etwas Wahres beinhalten, wenn man gerade erst begonnen hat auf eine vegane Ernährung umzusteigen. Es braucht einfach seine Zeit bis man sich an diesen Lebensstil angepasst und durchschaut hat, welche Produkte frei von tierischen Inhaltsstoffen sind oder in welchen Restaurants man vegane Gerichte bestellen kann.

Doch es ist gleichzeitig auch unglaublich spannend etwas Neues auszuprobieren und sein Wissen zu erweitern. Nach einer Zeit geht das alles wie von selbst und man muss beim Einkaufen nicht mehr stundenlang die Zutaten studieren, bis das Produkt endlich im Einkaufswagen landet. Außerdem gibt es mittlerweile Apps, mit denen du Produkte scannen kannst und dann sofort erfährst, ob das Produkt vegan ist oder eben nicht.

Ich hoffe, ich konnte dich bezüglich dieser ersten 4 Mythen aufklären und dir ein wenig die Angst vor einer Umstellung zu einer pflanzenbasierten Ernährungsweise nehmen. In dem nächsten Beitrag zum Thema Veganismus werden weitere Mythen genauer unter die Lupe genommen.

Dieser Beitrag wurde als Gastbeitrag von Hannah Klebel erstellt.